Camaret-sur-Mer, Thema für viele Reiseberichte
Jetzt liegen wir schon wieder eine Weile im Hafen und warten auf ein Wetterfenster, das uns erlaubt, die Biscaya zu überqueren. Aber, wenn auch das Warten Erinnerungen an Cherbourg weckt, ist es hier doch völlig anders. In diesem kleinen Yachthafen treffen sich Leute, die die Biscaya überqueren wollen und die oft genug von da aus weiter wollen. Diese gemeinsame Motivation und die Segelboote schaffen eine Vertrautheit, die in den anderen Häfen so nicht spürbar war.
Dabei sind es ganz unterschiedliche Menschen, die hier zusammenfinden. Neben uns liegt ein Pärchen, das ihr Boot vor wenigen Monaten gekauft hat, er aus den Niederlanden, sie aus Asien, beide sind wohnhaft in Hongkong und haben wie wir ihre Erfahrungen mit den Tidenströmen gemacht.
Vor uns ein Einhandsegler auf einer 16m-Yawl, kommt gerade aus Irland, will in der nächsten Woche (wie wir) nach Spanien. Er segelt seit 30 Jahren um die (oder auf der) Welt und sein Schiff heißt "Pantagruel". Im Internet findet man über pantagruelisch: es bedeutet in einem Wort üppig, derb, ausgelassen und fröhlich mit überbordenden Humor, Genuss und Lebensfreude. Wir kannten das Wort nicht, aber es passt.
Weiter vorne lag eine Crew junger Leute mit dem Heimathafen Hamburg und bereitete ihr Schiff mit einer Windsteueranlage für wirklich lange Schläge vor. Sie teilten gerne ihren Erkenntnisstand zu den Orcas. Die Orcas vor Spanien und Portugal haben gelernt, dass man bei bestimmten Segelyachten das Ruder verbiegen kann (kein Spaß!) und man sollte den Viechern bei aller Faszination nicht begegnen, jedenfalls nicht hier.
Und dann gibt es noch das romantische Städtchen. Es hat sich mit vielen Restaurants, Galerien und Ateliers auf Besucher eingestellt, ohne von einer Tourismusindustrie vereinnahmt zu werden. Die Besucher kommen nicht nur per Boot, sondern auch viele per Pedes über die Wanderwege entlang der spektakulären Atlantikküste (Iroise).
Natürlich wollen wir uns das Wandern nicht entgehen lassen und finden einen wunderschönen Rundweg entlang der Küste und über verwunschene Fußwege durchs Hinterland. Leider ist die imposante Küste unübersehbar durch die Hinterlassenschaften des Atlantikwalls geprägt und Gedenkstätten an das vieltausendfache Leid findet man überall.
Zurück in der Stadt genießen wir noch einmal das Bummeln an der Promende, wo die Tide täglich zweimal den Charakter der Stadt ändert. Bei Niedrigwasser sieht man traditionelle Fischer entlang der trocken gefallenen Schiffe nach Fischen und Krebsen suchen, bei Hochwasser wirkt die Stadt mit der See an der Promenade fast mediteran.