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Nach dem Baden kommt der Teil mit dem Abenteuer

Datum:
Dienstag, 07. Oktober 2025

Uhrzeit:
19:30 Uhr

Ort:
Fisterra (Hafen)

Koordinaten:
42°54.559'N, 9°15.535'W

Reisetag:
59

Crew:
Diane und Jürgen

Wetter:
heiter bis gruselneblig

Seegang:
0.3m

Wind:
4 - 14 kts

Autor(in):
Jürgen Trost

Ok, gedacht war das sicher anders.

Als wir seeklar für Vigo die Motoren starten wollen, mag die Backbordmaschine nicht anspringen. Wir hatten schon beobachtet, dass die Backbordmaschine ein wenig schwächelt, aber jetzt wollte sie sich nicht mehr rühren. Nach etwas Überlegen finden alle Symptome zu einem gemeinsamen Fehlerbild. Aus unserem Anlasser ist ein Auslasser geworden. Der Anlasser ist ja ein Verschleißteil und bei der Steuerbordmaschine hatten wir vor einigen Jahren den Anlasser mit gleichen Symptomen getauscht. 

Glücklicherweise sind wir mit den 2 Motoren auch bei so einem Ausfall noch mobil und nehmen Kurs auf den kleinen Fischerhafen Fisterra, um von dort aus die Suche nach einem Ersatzteil zu beginnen. Und, als ob das Wetter unsere Laune unterstreichen will, ist die ganze Bucht von einem seltsamen Nebel bedeckt, der uns frösteln lässt. 

Im Hafen finden wir einen passenden Liegeplatz und machen problemlos fest. Den Hafenmeister treffen wir noch an, bevor er in die Siesta verschwindet. Er telefoniert für uns mit einem Fahrzeugmechaniker nach einem Ersatzanlasser. Leider finden wir keine gemeinsame Sprache, so verständigen wir uns per Google, DeepL.com und Zeichensprache. Das Ergebnis ist die Adresse einer Fahrzeugwerkstatt, bei der ich mich wegen des Anlassers melden soll. Der nächste Bus fährt nach der Siesta, die Rückfahrt gibt es erst abends. 

Weil heute Freitag ist, also das Wochenende droht, wird nicht gemeckert, sondern das Busticket gekauft. Um 15:45 Uhr bin ich in Cee, dem Ort neben Fisterra. Der Mechaniker soll um 16:00 Uhr schließen und ich zeige im Gruselfeuchtnebel meine läuferischen Qualitäten. Kurz vor 16:00 Uhr bin ich da und finde, die korrekte Zeit für den Geschäftsschluß ist 19:00 Uhr.

Tatsächlich kann der Mechaniker unseren Anlasser besorgen, aber nicht heute. Er entlässt mich glücklich mit dem Liefertermin Montag, 12:00 Uhr.

Es bleiben uns also 2 Tage, an denen wir  uns mit dem Thema befassen können, das hier in aller Segler Munde ist. Vor der Küste sind Orca-Gruppen unterwegs, die wohl aus Freude am Spiel Segelbooten das Ruder verbiegen oder abreißen. Einige Boote haben dadurch eine Leckage erlitten und sind gesunken. Viele weitere wurden dermaßen beschädigt, dass sie abgeschleppt wurden.
Hier am Steg wurden wir zum ersten Mal nach unserer Orca-Strategie befragt. Auf der Internetseite orca.pt kann man fast ohne Zeitverzug nachlesen, wo und wann Orcas gesichtet wurden, respektive wo und wann Boote angegriffen wurden. Auf der Seite kann man verschiedene Verhaltensrichtlinien nachlesen. Unsere führende Regel ist, so zu fahren, dass man den Orcas nicht begegnet. Glücklicherweise reisen die Orcas in Gruppen und es sind so viele Segler unterwegs, dass man einen rechten Überblick über diese Gruppen behalten kann. Mit großem Abstand ist also unser Ansatz: Segeln, wenn sie nicht da sind; im Hafen bleiben, wenn sie da sind.

Am  nächsten Morgen liegt an unserem Steg ein Katamaran, der in der Nacht angegriffen worden ist, beide Ruder sind zerstört. Ein Rettungskreuzer hat ihn in den Hafen gebracht. Zwei weitere Yachten wurden vor unserer Küste ebenfalls angegriffen. Wenn wir wie geplant ausgelaufen wären, wären wir mitten in diese aktive Orca-Gruppe geraten. Wir sind dankbar für einen kaputten Anlasser.

Ich melde uns bei Orca.pt an und erhalte nun Telegram-Meldungen über Sichtungen von Orcas. Neben der Grundstrategie nehmen wir uns vor, wie empfohlen nur im Flachwasser (< 20m Wassertiefe)  zu reisen und uns sehr regelmäßig über den aktuellen Stand zu informieren. 

Am Steg breitet sich spürbare Solidarität aus und alle wollen dem Skipper des Katamarans helfen. Tatsächlich hat der Skipper ein wenig Glück im Unglück, betroffen sind tatsächlich nur die Ruder und das Boot hat keine strukturellen Schäden. Ein Handwerker ist auch schnell gefunden, der die Ruder richten kann. Gestern Abend sitzen auf Einladung des Skippers einige Crews des Steges zusammen und feiern den guten Ausgangs des Abenteuers.

Und unser Anlasser kommt pünktlich. Glücklicherweise haben wir schon am Wochenende mit der Demontage des alten Anlassers begonnen, so dass ich gleich auch in einem Werkzeugladen mit dem Chef über improvisiertes "Spezialwerkzeug" verhandeln kann. Der Chef hilft mir sehr zuvorkommend trotz Mittagspause. Als ich mit all meinen Beschaffungen wieder an Bord komme, lässt sich der Anlasser problemlos montieren.

Und?! Motor dreht sich wieder, aber springt immer noch nicht an. Haidenai! Augenscheinlich kriegt die Kiste keinen Kraftstoff, ein weiterer Tag am Ende der Welt für die Durchsicht der Kraftstoffanlage wird geplant. Heute haben wir die Dieselleitungen mit den Kraftstoffvorfiltern angesehen und kommen zu der Meinung, dass es eigentlich nur noch der Kraftstofffilter sein kann. Wir haben alles an Bord und tauschen den Filter und versuchen zu starten. Orgel, orgel, orgel ---- orgel, orgel, orgel --- na gut, da ist vermutlich noch Luft in der Leitung --- orgel, orgel, puff,! orgel --- orgel, orgel, puffa, puffa, knatta, knatta, knatta. Ah, er läuft. Halleluja!

Über den Tag starten wir noch mehrmals, er läuft. Mal sehn, vielleicht können wir morgen reisen.

Schlagworte: Spanien

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