Segelyacht John B. logoNeuester Eintrag Zufälliger Eintrag
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Segeln mit dem Big Boy

Datum:
Samstag, 06. Dezember 2025

Uhrzeit:
21:15 Uhr

Ort:
Gran Tarajal

Koordinaten:
28°12.426'N, 14°1.555'W

Reisetag:
118

Crew:
Diane und Jürgen

Wetter:
heiter

Seegang:
0.8 m

Wind:
8 - 10kts raum bis achterlich

Autor(in):
Jürgen Trost

Der Parasailor tritt seinen Dienst an

Nach dem Landgang mit dem Hund wird mittlerweile schon recht routiniert das Dinghi verstaut und John B. seeklar gemacht. Wenig später schiebt uns der Motor aus dem Hafen. Die Vorhersage verspricht uns achterliche Winde mit etwas mehr als 8kts. Eigentlich sollten wir uns mental auf einen Motortag vorbereiten, aber die Crew ist bei guter Laune ein wenig angespannt, denn: heute sind endlich alle Rahmenbedingungen so, dass wir den Parasailor, den wir vor Vigo ausprobiert hatten, zum Einsatz bringen können. Er sollte uns auch bei dem schwachen Wind genug Geschwindigkeit bringen, dass wir die Maschine ausstellen können. 

Zunächst haben wir Wind von schräg hinten (150° von Backbord), so dass der Parasailor auf der Steuerbordseite als Blister gesetzt werden soll. Dabei wird das große Segel zwischen dem Fall, das ist die Leine, die das Segel nach oben in den Mast zieht, einem Niederholer, eine Leine, die das Segel mit dem Bug des Schiffes verbindet, und der Schot, die die verbleibende Ecke des Segels mit einer Rolle sehr weit hinten an der Steuerbordseite verbindet. 

Alle Leinen werden dreimal geprüft und dann geht es los. Mit dem Fall wird das Segel hoch gezogen. Allerdings nicht nur das Segel. Das Segel steckt in einem sogenannten Bergeschlauch. Es kann sich erst entfalten, wenn der Bergeschlauch nach oben in den Mast gezogen wird und das Segel freigibt. Wie eine große Wurst hängt der Bergeschlauch von der Mastspitze auf die Steuerbordseite des Vorschiffes. Noch ein Blick auf alle Leinen, dann zieht Diane den Bergeschlauch hoch. Man sieht das blau-weiße Tuch des Segels, aber dann klemmt der Sack, mag sich nicht hochziehen lassen. Ein zweiter, ein dritter Versuch scheitert. In 12m Höhe erkennen wir, dass der Bergeschlauch den Flügel des Segels nicht freigeben will. Wir versuchen die Zugrichtung beim Hochziehen des Bergeschlauchs mehr nach Backbord zu verlagern und dann rutscht der Schlauch über den Flügel und in Windeseile gibt der Schlauch das Segel frei. Jürgen zieht ein wenig an der Schot, das Segel fängt den Wind ein, wird zur großen Blase und mit einem sanften Ruck entwickelt es den hochwillkommenen Vortrieb. Es steht stabil auf Steuerbordseite, das Killen (Flattern) von Vor- und Achterliek lässt sich leicht mit der Schot wegtrimmen. 

Man hört ein Schnaufen der Erleichterung von der Crew. 

Dann lassen wir das Schiff erst einmal laufen und genießen 6kts Fahrt bei 8kts Wind. Später probieren wir das Verhalten des Segels bei Kurswechseln und freuen uns über das stabile Verhalten des Segels. Dann wollen wir die Vorwindfahrt (Wind genau von hinten) und die Halse (Kurs soweit ändern, dass das Segel auf die andere Seite des Schiffes gebracht werden muss) ausprobieren.  Dazu fallen wir schrittweise ab, geben Lose auf den Backbordniederholer und ziehen das Segel mit der Backbord-Schot vor John B.. Jetzt fliegt der Parasailor vor dem Bug. Aber nur kurze Zeit, denn plötzlich dreht der Wind auf 150° von Steuerbord und das Segel drängt auf die Backbordseite. Kurze Verwirrung beim Skipper und dann werden die Leinen nachgezogen und das Segel steht auf Backbordseite ebenso stabil wie eben noch auf Steuerbordseite. Aber dann fällt plötzlich die nun nicht mehr im Einsatz befindliche Steuerbord-Schot vom Segel und liegt zum großen Teil auf dem Vorschiff. Die Schot war mit einem Schnappschäkel am Segel befestigt und dieser hat sich geöffnet. (Kann das sein?)

Damit kann das Segel nicht mehr auf die Steuerbordseite geholt werden, wo es eigentlich wieder geborgen werden sollte. Zu allem Überfluss sehen wir, dass sich Schaumkronen bilden; wir müssen mit stärkerem Wind rechnen. Ein Blick auf den Bergeschlauch hoch oben im Mast zeigt, dass alle Leinen am Platz sind und wir den Parasailor auch auf Backbordseite bergen können. Also Lose auf die Backbord-Schot bis das Segel einfällt und den Schlauch drüber. Und den Schlauch durch die Vorpiekluke in seine Tasche. 

Die Crew klatscht sich ab, wirft einen Blick auf die Schaumkronen und verabredet sich zu einem Abendessen im Zielhafen, Gran Tarajal.

Schlagworte: Unterwegs Parasailor Leinen an Bord Kanarische Inseln Fuerteventura

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